„Clicker ich mich selbst?“ oder „Warum der Hund im Wäschekorb sitzt.“


Zum Jahreswechsel habe ich mich dazu entschieden in diesem Jahr viele Dinge zu probieren, die ich in meinem bisherigen Leben noch nicht kennengelernt habe.

Die Auswahl im Januar fiel auf einen Clicker-Kurs. Eigentlich nicht sonderlich spektakulär, es sei denn man hat die Informationen, dass ich bisher Signaltraining recht doof fand, Menschen die mit dem Clicker draussen unterwegs sind, die fand ich erst recht doof und immer Fleischwurst oder Huhn in der Tasche zu haben und selbst nen Clicker mitzuschleppen auch. (Ich hoffe es fühlt sich jetzt niemand angegriffen, aber so war es nun mal.) 😉

Vor 3 Jahren hatte ich schon mal einen Versuch, unter fachlicher Anleitung, mit dem Clickern gemacht. Ohne Erfolg! Jedoch kam ich damals zu dem Schluss: Sam ist zu blöd dafür! Natürlich sah ich zu diesem Zeitpunkt nicht,  dass das Problem 60 cm vor ihm sass. Das erklärt vielleicht rückblickend meine bisherige Abneigung zu den oben beschriebenen „doofen“ Dingen….

Für die, die nicht wissen was ein Clicker ist:

Es ist sowas wie ein kleiner Knackfrosch, mit dem man ein Geräusch auslösen kann. Dieses Geräusch signalisiert dem Hund, nach entsprechender Vorbereitung, dass nach dem Hören des Geräusches eine Belohnung folgt, die vor allem in der Anfangszeit sehr, sehr hochwertig ausfällt.

Das heisst also: Es geht eigentlich nicht um den Clicker, sondern um das zuverlässige Ankündigen einer Belohnung, wie diese auch immer aussehen mag.

Wie die aktuellen Studien (https://www.psychologytoday.com/blog/canine-corner/201704/is-clicker-training-the-most-effective-way-train-dogs) belegen ist nicht das Clicker-Training selbst, dass was Hunde effektiv lernen lässt, sondern das Belohnungstraining an sich. Denn die Studie zeigt, dass  Clicker Hunde weder schneller, noch zuverlässiger lernen als Hunde die z.B. mit einem Markerwort oder anderen Verhaltensweisen, die eine Belohnung ankündigen (z.B. das nach vorne Beugen um die Belohnung zu überreichen), trainiert werden.

Die Vorbereitungsphase ist die Konditionierung. Wir verbinden z.B. ein Geräusch was keine Bedeutung hat, mit einer Handlung wie dem Überreichen des Leckerchens und es steht ein Reiz-Reaktions-Muster.

Ein Beispiel aus der Menschenwelt:

Du hörst eine Glocke, siehst dass der Fahrer des Eiswagens sie auslöst, kaufst dir daraufhin ein Eis und schwups wissen wir: Diese Glocke bedeutet (für ein paar kurze Momente) absolute innere Zufriedenheit. Wow, ein positive Verkettung!

Anders herum geht es auch…

Du hörst die Melodie des Schrottsammlers, der jeden Mittag durch die Strasse fährt. Sammelst die Erfahrung, dass du die Melodie die nächsten drei Stunden im Ohr hast und schwups: Dieses Geräusch bedeutet mehrere Stunden genervt sein. Und da haben wir eine negative Verkettung!

So einfach läuft das.

Nun zum Kurs!

Der Kurs hatte aus meiner Sicht folgende Ziele:

  1. Mensch und Hund den Clicker (bzw. das Belohnungstraining) nahe zu bringen
  2. In Mensch und Hund die Idee zu wecken selber Tätig zu werden. Das heisst: Ideen zu entwickeln, Kreativität zu fördern, kleine und große Schritte zu erkennen, achtsam zu sein.

Nach ersten Versuchen stellte ich schon fest, dass es mir Spaß machte zu sehen mit welcher Begeisterung mein Hund mitmachte. Ich sah so häufig dieses entspannte aber dennoch konzentrierte Gesicht, beim Durchführen unserer „unwichtigen“ Übungen. Das war nämlich das Schöne am Kurs. Es ging nicht um die vermeintlich wichtigen Dinge der Hundewelt sowie Sitz, Platz, Fuß. Es ging um die beängstigenden Dinge, die den Menschen glauben lassen, ihr Hund würde künftig die Weltherrschaft an sich reissen. Nämlich den Hund aktiv werden zu lassen, wie auch sein Bewusstsein zu fördern, dass er erreichen kann den Menschen zu einer Belohnung zu bewegen.

Während des Kurses probierten wir vieles aus. Tricktraining, Verhaltensketten und auch der Umgang mit aus menschlicher Sicht unerwünschtem Verhalten kam zur Sprache.

So wurde ich eines Abends gefragt: Warum sitzt der Hund im Wäschekorb?

Ich musste selbst erst einmal kurz darüber nachdenken und kam zu dem Schluss, dass es schon eine Leistung für einen Hund ist, mit allen vier Pfoten in einen engen, glatten Korb zu steigen. Auch wenn es sinnbefreit wirkt empfinde ich eine solche Entwicklung als höchst interessant und erwähnenswert. Andere Hunde retten Menschen und meiner kann halt im Wäschekorb sitzen. Ist ja auch fast das Gleiche. Zum Glück wissen wir ja alle, dass der eigene Hund ist immer der Tollste ist! 😉

Der Clicker-Kurs hat vieles verändert. Mit Freude haben wir gezielt Dinge geübt, aber dem Hund trotzdem nahe gebracht dass er eine gewisse Kontrolle über das Geschehen hat. Was sicherlich dem Selbstbewusstsein nur positiv entgegenkommt.

Mittlerweile sehen unsere Spaziergänge so aus: Es gibt Zeiten wo wir beide unseren Gedanken nachhängen können und dann gibt es die Zeiten wo ich merke, dass Sam bereit ist und dann machen wir die unterschiedlichsten Dinge mit dem Clicker oder was auch immer wir sonst zur Beschäftigung getan haben.

Ich denke es ist das, was einen ausgeglichenen Spaziergang ausmacht. Ein gutes Mittelmaß zwischen „die Seele baumeln lassen“  und Zeiten wo es sich anbietet oder nicht anders geht, als viel zu üben.

Ich selbst bin ruhiger und konzentrierter. Bei den Dingen die wir üben, lasse ich mir selber und ihm Zeit. Ich bin achtsamer gegenüber Sam, denn ich suche ja Dinge, die belohnenswert sind. Sam ist achtsamer gegenüber mir, denn er sucht nach Anzeichen, dass ich mit ihm Kontakt aufnehme.

Als er vor kurzem zufrieden in einem Maulwurfhaufen  buddelte verharrte  er auf einmal und guckte mich mit einem Blick an, der sagte: „Hallo, guck mal, ich hab aufgehört, du könntest ja was

sagen!!!“. Ich hab geclickt, er kam, bekam sein Leckerchen und wir sind weiter. Verständlicherweise zeigt er diese Verhalten nun häufiger. Was ich schliesslich positiv bewerte.

Ich empfinde es für mich als sehr belohnend wenn dieser Hund, der gelegentlich bis hinter die Vorderläufe im Maulwurfsloch steckt dabei auf eine schöne andere Idee kommt oder während er einen Weg hinunter prescht, wie vom Blitz getroffen stehen bleibt um sich umzudrehen. Das Schöne an diesen Momenten ist, dass er aus freien Stücken aus seiner Hundewelt auftaucht ohne Aufforderung meinerseits.

So lernte ich als Mensch, die kleinen Momente der Kontaktaufnahme seitens meines Hundes häufiger wahrzunehmen, und die Phasen in denen mein Hund in sein Treiben versinkt für mich selbst zu nutzen.

Nach so vielen Eindrücken kommt nun meine bahnbrechende Überlegung. 🙂

Wenn die Hunde- und Menschenhirnfunktionen sehr ähnlich ablaufen (das behaupten ja einige Menschen), dem Hund sein Belohnungs- und Glückssystem beim Clickern angesprochen

wird, wird dann das gleiche System auch bei mir angesprochen, wenn ich den Click gebe bzw. höre? Schließlich habe ja auch ich Erfolg und meinen Hund etwas zu essen zu geben macht mich eh immer glücklich.

Daher meine berechtigte Frage: Clicker ich mich selbst?

Nach näherer Überlegung denke ich: „Ja!“

Zeigt der Hund etwas belohnenswertes, freut sich über die Belohnung und zeigt vielleicht das gleiche Verhalten später wieder, liegt das Glücksgefühl und der Belohnungseffekt mit großer Wahrscheinlichkeit nicht nur beim Hund, sondern auch bei mir.

Von daher behaupte ich: Wer seinen Hund clickert, clickert  auch sich selbst!