„Wie schütze ich meinen Hund?“


Vor kurzem ergab sich folgende Situation:

Wir machten unsere letzte Gassirunde. Der Nachbar, der sonst immer erst raus geht, wenn er weiss das wir weg sind, nahm uns nicht wahr. Das brachte mit sich, dass er seinen Hund ohne Leine und Halsband raus lies. Es entstand eine rasante Begegnung in der Dunkelheit. Er bellte, war im nächsten Moment da, beide Hunde erstarrten, dann kam ein Schnappen seinerseit. Großer Schreck, der Nachbar sammelte seinen Hund ein, entschuldigte sich und wir gingen beide unserer Wege.

Das ist die Kurzfassung. Mehr braucht es auch nicht um auf den Punkt zu kommen.

Zu Hause angekommen ging mir die so häufig gehörte Aussage, „Du musst deinen Hund schützen“, durch den Kopf und ich fragte mich, wie sich Sam wohl gefühlt hat und ob er mich tatsächlich jetzt als Versager sieht.

Schütze deinen Hund bedeutet für die meisten Leute „körperlichen Schutz“ zu bieten.

Wie sähe nun körperlicher Schutz in der oben beschriebenen Situation aus? Es gäbe mehr oder minder gut funktionierende Optionen:

  • Ich könnte meinen Hund körperlich abschirmen…Funktioniert während eines laufenden Kontaktes aber nicht so wunderbar wie in der Vorstellung.
  • Ich könnte den fremden Hund anbrüllen und verscheuchen…Was denkt denn mein Hund von mir, wenn ich aggressives Verhalten seinerseits nicht wünsche, aber selber so handle?
  • Ich könnte Kontakte meiden… Aber schliesslich gibt es andere Hunde auf der Welt und auch Situationen, die sich nicht voranmelden.

Jeder, der das mit dem körperlichen Schutz einmal ausprobiert hat weiss, dass es von unzähligen Faktoren abhängt, ob gelingt was ich vorhabe.

  • Bleibt der Hund in seiner Schutzzone oder sagt er sich auf einmal doch, mhhh, ich guck mal.
  • Lässt sich der fremde Hund auf Abstand bringen? Klappt bei Welpen oder kleinen Hunden noch gut, aber bei einem ausgewachsenen Hund???
  • Unterstützt oder sabotiert der andere Besitzer, wissentlich oder unwissentlich mein Tun?

Das alles sind Faktoren, auf die ich kaum Einfluss nehmen kann.

Es gibt aber etwas, was jeder machen kann um seinen Hund zu schützen ohne das jemand von Aussen Einfluss darauf nehmen kann!!! Das ist die Form von Hund schützen und Verantwortung für mein eigenes Handeln übernehmen.

 

Hier mal ein paar konkrete Vorschläge!!!

  • So häufig wie möglich daran zu arbeiten, dass mein Hund eine gute seelische Widerstandsfähigkeit entwickelt. Denn nur ein Hund, der viel erlebt, vieles stressfrei kennenlernt, auf Selbständigkeit erzogen wird und die nötige Ruhe hat um geschehenes zu verarbeiten, solch ein Hund kann mit überwältigenden Situationen angemessen umgehen. Das ist ein Hund der wie ein Stehaufmännchen lebt. Umfallen und im nächsten Moment wieder aufrecht im Leben stehen.
  • Vorausschauend unterwegs sein.
  • Ein gutes Gefühl dafür entwickeln, ob eine Situation gefährlich für Geist und Körper meines Hundes werden könnte.
  • Mir überlegen welchen Situationen MEIN Hund gewachsen ist ohne Angst oder Stress zu haben.
  • Meinen Hund beobachten lernen, um erste Anzeichen von Unwohlsein zu erkennen
  • Mir Strategien fürs Management überlegen (falls trotz des Vorausschauens mal eine unschöne Situation auftritt )und diese einzuüben.
  • Meinen Hund nicht bewusst  in Situationen hereinbringen, die unser Vertrauen stören könnten oder sein Selbstvertrauen schädigen könnten.
  • Ihn an die Hand nehmen, das ist meine Ausführung für „Leine dran“, wenn Situationen nicht einschätztbar sind. (Für mich bedeutet die Leine nicht Freiheit zu nehmen, sondern Halt und Sicherheit zu geben.)
  • Beschäftigungen in den Alltag integrieren, die das Selbstbewusstsein des Hundes fördern. Denkaufgaben, Lösungswege selber finden, Tricks lernen, Suchaufgaben, Erfolge für den Hund.
  • Den Hund auch mal eigene Entscheidungen treffen lassen, vor allem wenn sie eine Tendenz dazu haben gute Entscheidungen zu sein.
  • Nein sagen, wenn Menschen oder Hunde etwas tun möchten, was meinem eigenen Hund schadet.
  • Mir Wissen über Hunde aneignen

Die Liste lässt sich sicher noch ergänzen, aber bietet schon einmal einen kleinen Einblick.

Und ja, mit einem Hund leben heisst, Verantwortung übernehmen. Beweglich sein. Sich den Bedingungen anpassen und kreativ zu sein.

Durch dieses Bewusstsein konnte ich nach dem Vorfall ruhig schlafen gehen, weil mir klar ist, dass das Leben nicht planbar ist und ich meinem Hund, genauso wie alle anderen mir Nahestehenden, nicht jeglichen Schmerz, jegliche schlechte Erfahrung und jegliche unangenehme Emotion abnehmen kann. Aber ich kann ihn dabei unterstützen mit den Widrigkeiten des Lebens so gut wie möglich klar zu kommen.

Also ist der Satz „Schütze deinen Hund“ gar nicht so verkehrt, wenn ich denn weiss wie.