Gedanken zur Hundeerziehung


Vor kurzem habe ich eine neue Technik gelernt: Wortassoziationen. Eine interessante Sache, wie ich finde. Sie ist ein Denk-Werkzeug, das dabei hilft neue Ein-Sichten zu gewinnen. Du wählst dir ein Wort aus und schreibst spontan auf, was dir zu jedem einzelnen Buchstaben einfällt. Während unserem letzten Spaziergang habe ich mir ein paar Gedanken um das Wort Erziehung gemacht und folgendes ist dabei rausgekommen.

E: Entfalten der eigenen Persönlichkeit

R: Regeln für ein harmonisches Miteinander

Z: Zeit, Zentriert sein (also ich selbst sein), Zuverlässig sein

I: Ideen fördern, Ideen einbringen

E: Erlernen von Fertigkeiten, die mehr Handlungsspielraum bieten

H: (sicheren) Hafen bieten

U: Umwandlung von>zu z.B. zu einem gesünderen Verhalten, zu einem besseren Selbst

N: Neues lernen, neugierig sein dürfen

G: Gemeinschaft, einen Platz in dieser bieten

Erziehung, ich ziehe etwas in eine gewisse Richtung. Hundeerziehung  spiegelt eine sehr individuelle Lebenseinstellung wieder. Ihr Ziel spiegelt unsere eigenen Werte, unser Verständnis von richtig und falsch, wie wir denken und fühlen und zeigt auch deutlich unsere eigenen Schwächen auf. Sie zeigt ob ich respektvoll mit meiner Umwelt umgehe, ob ich kommunikationsfreudig bin oder konfliktscheu. Das was ich  mit aller Kraft in die Erziehung des Hundes einbringe hilft mir dabei die Situationen zu vermeiden, die ich selbst nicht  oder schwer ertragen kann.

Erziehung sollte aber doch eigentlich einen Hund daran heranführen in unserer Gesellschaft so eigenständig wie nur möglich zu sein? Wenn der Hund aber eigenständig entscheidet, wirkt sein Verhalten für uns unvorhersehbar, wenig kontrollierbar. Daher besteht unsere Aufgabe darin, ihn so häufig wie möglich dabei zu unterstützen gute Entscheidungen zu treffen.

Und da bin ich schon bei meinem Konflikt-Thema. Die gängigen Hundeprogramme sollten meiner Meinung nach eher Hundekontrolle genannt werden. Ist zwar ein recht unschönes Wort, aber bei so vielen Massnahmen, die ergriffen werden um einem Hund etwas beizubringen, geht es häufig mehr um den Menschen als um die Entwicklung Hund.

Mal ein Besipiel aus unserem bescheidenen Haushalt:

Wir haben geübt, an lockerer Leine zu laufen. Ist für mich schön und für den Hund schön. Rückruf können wir auch, da fängt es aber schon an. Da hab hauptsächlich ich was von, schließlich ist der Hund wenn ich ihn rufe meist mit etwas interessanterem als mir beschäftigt. Der Rückruf bietet mir ein Gefühl der Sicherheit! Wenn mein Hund zu jeder Zeit abrufbar ist muss ich keine Angst vor Konflikten mit anderen Menschen haben, vor dem Schuss vom Jäger, vor der Tatsache ich komme nicht zeitig zur Arbeit, weil ich den Hund suchen muss…

Ich fühle mich anerkannt, ist ja wie ein Statussymbol so ein guter Rückruf. Mein Hund kommt, dein Hund nicht, na guck mal da läuft ja was falsch bei euch. Und zack, fühl ich mich gleich besser, denn der Hund kann ja was! Und wenn der Hund was kann, spiegelt das meine eigene Kompetenz wieder.

Wie langweilig ist da doch so ein Hund der einfach nur an lockerer Leine läuft. Da ist diese Sicherheit der Hund kann nicht weg, da ist diese Freiheit ich kann mit dem Hund überall hingehen wo er oder ich hin möchte und diese Entspannung weil ich mich nicht immer fragen muss, kommt er zurück oder nicht. Eigentlich schon cool so eine Leine, kann viel 😉

Ich habe nichts gegen Tricks, Techniken oder klassische Hundeübungen, schliesslich macht es Spaß zu lernen und sie geben eine stabile Grundlage.  Aber du musst damit vorsichtig sein. Sie könnte dir etwas vorgaukeln was nicht ist.

Das ist wie Schulenglisch lernen. Du bekommst 6 Jahre lang Unterricht, denkst dir, jaaaa, ich hab gute Noten in Englisch und dann fährst du das erste mal zu den höflichen Briten. Du bist guter Dinge, schaust dir das wunderschöne Dover Castle an und merkst, von all dem was der nette Herr sagt verstehst du nichts. Nach deinem Urlaub fragst du dich was da 6 Jahre lang falsch gelaufen ist und dir fällt auf: Übungen haben wir gemacht, aber wir haben ihnen kein Leben eingehaucht, wir haben sie nicht ins Leben eingebaut. Und du fängst von vorne an. Lernst die Bedeutung von Worten, lernst Redewendungen, liest englische Bücher und  schaust Filme mit Untertitel. Auf einmal fällt es dir nicht mehr schwer zu verstehen, auf einmal fallen die Hemmungen in einer anderen Sprache zu sprechen. Auf einmal lebt die fremde Sprache in dir.

Damit meine ich: Ja, macht Übungen. Sitz, Platz, Bleib… Aber gebt ihnen eine Sinn, eine Bedeutung, Leben. Baut sie ein wo sie hingehören in den Alltag, immer dann wenn es passt. Lasst sie aber nicht das wahre Gefühlsleben des Hundes überlagern.

Aber vergesst nicht: Erziehung ist nicht nur eine Übung zu machen, sondern ein Gesamtgefüge. Ich finde sie sollte so sein, dass ich am Ende unseres gemeinsamen Weges sagen kann: Ich hatte einen Hund dem ich dabei geholfen habe, seine Persönlichkeit optimal zu entfalten und wir hatten trotzdem oder vor allem deswegen, die Beste Zeit unseres Lebens.